Mein Ikigai
Ich habe es gelebt, bevor ich den Namen kannte
Kennst du dieses japanische Konzept namens Ikigai?
Es ist so ein kleines, simples, aber ziemlich mächtiges Prinzip. Die meisten erklären es mit vier Kreisen, die sich überschneiden:
- Was du liebst zu tun
- Was du gut kannst
- Was die Welt braucht (oder zumindest einige Menschen darin)
- Wofür du Wertschätzungung bekommst
Wo alle vier Bereiche zusammenkommen – da ist dein Ikigai. Dein Grund, morgens aufzustehen. Dein „Sinn des Lebens“ auf eine alltagstaugliche Art.

Vor ein paar Jahren bin ich zufällig in einer Flughafenbuchhandlung auf ein Buch darüber gestoßen. Ich hab reingelesen und plötzlich konnte ich Lächeln nicht unterdrücken: Moment mal … das ist ja genau das, was ich schon seit Jahren tue.
Ich bin Tantramasseur und Sexualbegleiter. Und ich weiß, dass diese Arbeitsfelder bei vielen erstmal ein großes Fragezeichen oder sogar ein mulmiges Gefühl auslöst. Das ist doch Sexarbeit!
Ja, das ist Sexarbeit, und genau in ihr passiert für mich und für viele meiner Klient:innen etwas sehr Besonderes, Menschliches.

- Ich liebe, was ich tue. Wirklich. Von Herzen. Ich berühre gerne Menschen – manchmal über ihre Haut sogar ihre Seele. Bei der Tantramassage arbeite ich energetisch und achtsam: Meine Hände gleiten langsam und warm über den ganzen Körper, wecken die Haut, lassen Energie fließen und spüren, wie der Atem tiefer wird und der Körper sich öffnet. Es ist ein Verehrungsritual. In der Sexualbegleitung entstehen sehr innige, intime und nährende Begegnungen. Menschen vertrauen mir oft schon in den ersten Minuten. Sie spüren: Hier ist jemand, der wirklich sieht und nicht urteilt. Der ihren Körper nimmt – mit all seinen Narben, dem Alter, einer Behinderung oder Speckröllchen – und sagt: „Du bist willkommen. Genau so.“ Sie lassen sich von mir führen in ihre Lust und in ihren Körper. Wir erkunden Sinnlichkeit und erleben lustvollen, einvernehmlichen Sex. Manchmal still und zärtlich, manchmal wild und befreiend. Immer in Liebe. Immer in ihrem Tempo. Die Momente, in denen jemand nach Jahren der Scham oder nach Verletzungen wieder spürt: „Mein Körper darf da sein. Ich darf Lust empfinden. Ich darf berührt werden – ohne Hintergedanken, ohne Leistungsdruck.“ Diese Augenblicke berühren mich jedes Mal tief. Ich berühre in Liebe.
- Ich kann es auch wirklich gut. Ich habe mich über Jahre hinweg immer weitergebildet – in Schulungen, Seminaren und Ausbildungen. Doch das Wichtigste habe ich von meinen Klient:innen gelernt: aus ihren feinen Reaktionen während der Sessions, aus dem, was ihr Körper sagt, und aus ihrem Feedback danach. Das hat mir gezeigt, dass ich es wohl ganz gut mache – und gleichzeitig hält es mich demütig und neugierig. Ich lerne auf diese Weise noch immer weiter. Jede Begegnung ist Lehrerin. Jedes ehrliche Feedback macht meine Berührung feiner, präsenter und liebevoller.
- Ich leiste einen positiven Beitrag – und das meine ich ernst. Vielleicht nicht für die ganze Welt, aber für einzelne Menschen ist es oft ein Game-Changer. Ich ermögliche es Menschen, sich und ihren Körper lustvoll wahrzunehmen – ohne Gegenleistung und genau so, wie man ist. Das gilt für jede:n, und erst recht für besondere Situationen: Eine Frau, die nach Krebs oder Trauma wieder ihren Körper als Zuhause empfindet. Ein Mann, der zum ersten Mal ohne Scham seine Sexualität erforschen darf. Menschen mit Behinderungen. Durch diese Begegnungen fühlen sich viele zum ersten Mal wieder als Frau gesehen – nicht als „die Behinderte“ oder „die Alte“. Ihr Selbstwertgefühl wächst. Das Erlebnis lustvollen, einvernehmlichen Sexes unterstützt sie zu mehr Emanzipation und empowert sie. Viele erzählen mir später: „Seitdem traue ich mich mehr. Ich sage öfter Ja zu mir. Ich lasse weniger mit mir machen.“ Das ist Persönlichkeitsentwicklung im wahrsten Sinne und ein positiver Beitrag – nicht nur im Leben meiner Klient:innen, sondern auch in unserer Gesellschaft.
- Und ja, ich bekomme Wertschätzung zurück. Die schönsten Momente sind die Nachrichten, die ein paar Tage oder Wochen später kommen: „Thomas, ich fühle mich lebendiger.“ „Ich hab mich das erste Mal seit Jahren wieder begehrenswert gefühlt.“ „Ich hab geweint – vor Glück.“ Und natürlich: die finanzielle Anerkennung. Eine Klientin schrieb mir einmal: „Das ist schon viel Geld, das ich für unsere Treffen zusammensparen muss – aber was du mir gibst, ist unbezahlbar.“ Genau das. Unbezahlbar. Und doch wird meine Zeit, meine Präsenz und mein Herz honoriert.
Als ich das alles so vor mir liegen sah – diese vier Kreise – da war es plötzlich glasklar:
Ich lebe mein Ikigai schon länger, als ich den Begriff kannte.
Manchmal kommt die Erkenntnis erst hinterher. Man tut etwas, weil das Herz sagt: „Das will ich machen.“ Und irgendwann schaut man zurück und denkt: „Oh … das ist’s dann wohl: Mein Weg, mein Sinn, meine Berufung.“
Falls du gerade suchst, zweifelst, dich fragst „Was ist eigentlich MEIN Ikigai?“, dann frage dich : "was tue ich wirklich gerne und kann es gut?" Und danach frage dich: "leiste ich damit einen positiven Beitrag für die Welt, die Gesellschaft, für Menschen in meiner Umgebung?" Erlaube dir auch diesen Gedanken: Vielleicht tust du es ja schon. Vielleicht ist es näher, als du denkst. Und vielleicht braucht es gar nicht den großen „Aha-Moment“ mit Feuerwerk – sondern einfach nur diesen leisen, warmen Moment, in dem du merkst: „Ja. Das fühlt sich richtig an“. Und wenn das alles passt, dann wirst du sehen, ob du dafür Anerkennung bekommst, in welcher Form auch immer.
Dann hast du gefunden, was dir jeden Morgen ausreichend Grund gibt, aufzustehen und zu leben.

Wie Ikigai die Qualität meiner Arbeit prägt
Weil die Tantramassage und die Sexualbegleitung Teil meines gelebten Ikigai sind, verändert sich die innere Haltung, mit der ich in die Begegnungen gehe.
In der Tantramassage bringt dieses Wissen eine besondere Präsenz mit. Die Berührung kommt nicht aus Routine, sondern aus echter Freude und innerer Erfüllung. Dadurch wird die Aufmerksamkeit feiner, der Kontakt intensiver und die energetische Verbindung spürbar tiefer. Klient:innen merken oft, dass hier jemand nicht „arbeitet“, sondern mit dem ganzen Herzen da ist – und genau das öffnet Räume, die sonst verschlossen bleiben.
In der Sexualbegleitung wirkt sich dasselbe noch direkter auf die Art der intimen Begegnung aus. Der Sex entsteht aus einer Haltung der inneren Übereinstimmung. Er wird dadurch freier von Leistungsdenken, stärker vom Moment und vom Gegenüber geleitet und trägt eine Wärme in sich, die man nicht einfach herstellen kann. Diese Echtheit lässt Vertrauen schneller wachsen und ermöglicht Begegnungen, die nährend und transformierend sind – weil sie aus dem ganzen Menschen kommen und nicht nur aus dem Körper.
Ikigai macht die Sessions also nicht technisch „besser“. Es macht sie wahrer, präsenter und menschlicher.
mein Jahresrückblick 2024
















