Sexualbegleitung für Seniorinnen - Warum sinnliche Nähe und Lust im hohen Alter ganz natürlich dazugehören
Sinnliche Nähe und Lust gehören auch im hohen Alter ganz natürlich dazu
Sexualität hört nicht auf, nur weil man älter wird. Viele Seniorinnen sehnen sich nach Berührung, Zärtlichkeit und echter Intimität – und das ist völlig normal und gesund. Es ist ja Ihr Grundrecht, selbst darüber zu bestimmen, ob und wann und wie sie Sex möchten. Ob im Pflegeheim, zu Hause oder einfach im Alltag: Das Bedürfnis nach Nähe bleibt, auch wenn es hierfür keinen geeigneten Partner (mehr) gibt. Und genau hier kommt professionelle Sexualbegleitung ins Spiel: Sie ermöglicht, auch im Alter selbstbestimmte, respektvolle Momente der Lust und des Gehalten-Werdens zu erleben, ohne Druck, ohne Verpflichtung und ohne dass etwas zurückgeben müsste.
Die AOK fasst das in ihrem Magazin-Artikel „Sexualität im Alter“ sehr treffend zusammen: „Den meisten Senioren sind Liebe und Sexualität im Alter aber trotzdem wichtig. Der Wunsch nach sexueller Befriedigung bleibt bestehen, wenn er auch an Intensität verliert.“ Zärtlichkeit nimmt dabei oft mehr Raum ein als reiner Geschlechtsverkehr. Bei Frauen zwischen 70 und 79 Jahren sind laut Studien sogar mehr als bei Männern noch sexuell aktiv – und das aus gutem Grund.
Pro familia ergänzt auf ihrer Seite zu „Sexualität und Älterwerden“: „Nähe und Geborgenheit, das Erleben von Annahme und Zuwendung bleiben auch in höherem Alter wichtig.“ Älterwerden bedeutet nicht Verzicht, sondern oft eine neue, entspanntere Form von Erotik – mehr Zeit, mehr Achtsamkeit, mehr echtes Genießen.
Und genau das erlebe ich als Sexualbegleiter immer wieder. Viele Frauen sind jahrelang für andere da gewesen – für Kinder, Ehemann, Familie. Jetzt ist die Zeit gekommen, jetzt wollen sie endlich etwas für sich: Sie wollen sich begehrenswert und lebendig fühlen. Manche suchen sanfte Kuschelmomente, andere wollen richtig zur Sache kommen. Beides ist okay. Ich werde für meine Zeit bezahlt, nicht für bestimmte Handlungen. Was in unserer gemeinsamen Zeit passiert, entscheiden wir zusammen – immer nach den Wünschen der Frau.
Jeder Körper ist liebens- und begehrenswert – genau so, wie er ist
Bevor ich von meinen Klientinnen erzähle, möchte ich eines ganz klar sagen: Niemand muss sich wegen seines Körpers schämen. Jeder Körper ist ganz einzigartig und wunderbar, genau so, wie er im Laufe eines langen Lebens geworden ist. Jede Falte ist die Spur eines gelebten Lebens, jedes Speckröllchen, jeder weiche Bauch ein Zeichen von Sinnlichkeit. Narben und Schwangerschaftsstreifen erzählen Geschichten, die das Leben selbst geschrieben hat – und sie sind sogar sexy. Hängebrüste sind ganz wunderbar zum Schmusen und Kuscheln. Zerbrechlich gewordene, magere Körper laden zu besonders liebevoller, behutsamer Berührung ein. Von Osteoporose gebeugte Rücken erzählen von vergangener Stärke und gelebter Zeit. Es geht nicht um „trotz“ des Aussehens, sondern oft sogar „wegen“ dieser echten, gelebten Schönheit, dass diese Menschen begehrenswert sind. In meinen Begleitungen erlebe ich immer wieder, wie befreiend es ist, wenn Frauen das endlich spüren dürfen.
Ich habe darüber eine Kurzgeschichte geschrieben: „Über die Schönheit“
Echte Geschichten aus meiner Praxis – herzlich, offen und ohne Scham
Besonders berührend war die Klientin, die nie verheiratet war und nie einen intimen Partner hatte. Mit 70 kam sie zu der Erkenntnis, dass sie nicht ohne diese Erfahrung ihr Leben beenden wolle. Ihr erstes Mal erlebte sie schließlich mit mir – in Ruhe, in Sicherheit. Mit jemandem, der nur für sie da ist, ohne dass sie etwas zurückgeben muss. Hinterher fragte sie: „Das war aber toll, es hat aber gar nicht weh getan, warst du wirklich in mir? Warum hat das denn nicht geblutet?“ In den weiteren Sessions hat sie den Sex dann noch mehr genießen können. Sie wurde immer mutiger, entdeckte, was ihr guttut, und strahlte jedes Mal vor Glück, weil sie diese lustvollen, entspannten Momente endlich erleben durfte.
Dann war da die Frau, die in ihrer langen Ehe nie echte Lust empfunden hatte. Sex war „eheliche Pflicht“ – meist in ein paar Minuten erledigt. Sie hatte sich ab und zu selbst Lust bereitet, mehr nicht. Bei mir war sie total überrascht: „Ich wusste gar nicht, dass das ganz ohne Schmerzen geht. Das ist ja noch viel schöner, als ich es mir vorstellen konnte.“ Wir hatten langen, ausführlichen, penetrativen Sex. Danach lag sie nackt und zufrieden an mich gekuschelt und öffnete sich emotional. Sie erzählte Dinge aus ihrer Seele, die sie noch nie jemandem anvertraut hatte, von ihrer Ehe, von ihrem Leben. Mit der Zeit wurde sie richtig spielerisch mit ihrer Sexualität. Sie hat ihre Vulva das erste Mal richtig angeschaut – ich habe sie für sie fotografiert, damit sie sie bequem betrachten konnte. Nach anfänglicher Scheu und nachdem ich eine künstlerische Skizze davon angefertigt hatte, fand sie sie plötzlich wunderschön und konnte den Anblick richtig genießen. Sie spielte mit geradezu kindlicher Freude mit meinem Geschlechtsteil und konnte sich manchmal gar nicht sattsehen.
Eine andere Dame entschuldigte sich bei unserem ersten Treffen schüchtern: „Ich bin etwas aus dem Leim gegangen.“ Sie lag nackt und unbeholfen im Bett, mit einem weichen Wabbelbauch und Brüsten, die rechts und links in die Achselhöhlen hingen. Es war ihr peinlich. Ich habe ihr gezeigt, wie viel Lust und Freude ihr Körper uns beiden immer noch schenken kann. Ich habe ihre Brüste liebevoll massiert und sie erleben lassen, wie viel Lust und erotisches Potential in ihnen steckt. Ich habe das Tun übernommen, sie hat entspannt Cunnilingus genossen, wir haben schließlich eine Position gefunden, in der Geschlechtsverkehr möglich war. Danach hat sie sich in meinen Arm gekuschelt, tief durchgeatmet und mir von sich erzählt. Sie war ganz entspannt, als Frau liebevoll angenommen, als Mensch gesehen.
Wieder eine andere hatte ihr Leben lang nur für andere gesorgt. Jetzt, in der kurzen verbleibenden Zeit, wollte sie endlich nachholen, was sie verpasst hatte. Wir begannen mit einer tantrischen Massage, beide nackt. Sie genoss die körperliche Nähe, das Berührt-Werden und die Intimmassage so sehr, dass sie schnell sagte: „Ich will auch richtigen Sex!“ In den folgenden Sitzungen haben wir dann Geschlechtsverkehr gehabt. Sie war begeistert, Oralverkehr zu entdecken, zum ersten Mal einen Penis im Mund zu genießen – und vor allem liebte sie den Analverkehr, den sie immer wieder einforderte. Sie massierte auch gerne meinen Po. Sie strahlte vor Glück, weil sie all das noch erleben durfte.
Meine älteste Klientin war 98 Jahre alt. Sie lebte in einem Pflegeheim und vermisste die sinnliche Nähe und den Sex, wie sie ihn mit ihrem verstorbenen Mann erlebt hatte. Er hatte ihr ein Leben voller Wohlstand und liebevoller Zuwendung geschenkt – und genau diese Wärme fehlte ihr trotz bester Betreuung. Wir hatten das Kennenlerngespräch in Anwesenheit einer Betreuerin. Danach hat die Betreuerin sie ausgezogen, vom Rollstuhl ins Bett transferiert und uns allein gelassen. Ich habe mich, wie besprochen, ebenfalls entkleidet und bin zu ihr ins Bett. Wir haben zärtlich nackt gekuschelt – ich habe das Streicheln und Halten übernommen, weil sie sich kaum noch bewegen konnte. Sie hat mir ganz klar gesagt, wie sie an den Brüsten ganz zart gestreichelt und geleckt werden wollte. Schließlich bat sie mich, mich auf sie zu legen, und wir hatten ganz langsamen, zärtlichen, liebevollen Sex. Danach haben wir immer wieder gekuschelt und geredet. Sie war nur etwas enttäuscht, dass ich auf Safer Sex mit Kondom bestanden habe – aber das gehört bei mir einfach dazu. Ich habe sie ein paar Mal besucht, bis die Nachrichten plötzlich ausblieben. Vermutlich ist sie von uns gegangen. Aber solche Momente zeigen: Lust und Nähe gehören bis zum letzten Atemzug dazu.
Und viele andere Frauen erzählen mir, dass sie die wunderbaren Gefühle vermissen, die sie früher genossen haben. Manche haben durch Medien oder Gespräche von spezialisierten Dienstleistern wie mir erfahren und trauen sich endlich, sich etwas Gutes zu tun.
Warum viele Frauen – auch Seniorinnen – schon beim ersten Kontakt fragen, ob es „auch wirklich aufs Ganze geht“, habe ich in einem früheren Blog-Artikel erklärt.
Die großen Vorteile – für Körper, Seele und Lebensqualität
Regelmäßige intime Momente halten nicht nur emotional fit, sondern auch körperlich. Und das ist keine bloße Meinung – das bestätigen zahlreiche Studien. Die English Longitudinal Study of Ageing (ELSA) mit über 6.000 Teilnehmern ab 50 Jahren zeigt klar: Ältere Menschen, die sexuell aktiv sind, haben eine deutlich höhere Lebenszufriedenheit. Wer regelmäßig Sex hat oder sich emotional nah fühlt, bewertet sein Leben insgesamt positiver – und das wirkt sich auf die gesamte Gesundheit aus. (Quelle: Smith et al., Sexual Activity is Associated with Greater Enjoyment of Life in Older Adults, 2018)
Eine Studie im Journal Sexual Medicine bestätigt: Sexuelle Aktivität hängt bei älteren Erwachsenen mit höherer Lebensfreude zusammen. Besonders bei Frauen spielt häufiges Küssen, Streicheln und Petting eine große Rolle für das Wohlbefinden.
Weitere Forschung, darunter eine aktuelle Übersicht im Lancet Healthy Longevity (2023), betont: Sexuelle Aktivität ist ein wichtiger Teil von Gesundheit und Wohlbefinden im Alter und korreliert mit größerer Lebensfreude. Eine Intervention-Studie aus 2024 zeigte sogar, dass Programme zur Förderung sexueller Zufriedenheit bei Älteren die Lebenszufriedenheit und Anpassung ans Alter langfristig steigern – Effekte, die noch nach 6 und 12 Monaten spürbar waren.
Auch eine Untersuchung aus 2022 fand: Sexuelle Zufriedenheit hängt bei Frauen besonders stark mit einer höheren erwarteten Lebensdauer zusammen. (Quelle: Hajek et al., 2022)
In einem berührenden RP-Online-Artikel über „Susi und ihr Sexualbegleiter“ heißt es sogar: „Eigentlich müsste es Sex auf Rezept geben.“ Genau das Gefühl haben viele Frauen danach – endlich wieder gesehen, gehalten und genossen zu werden.
Ob Sie nur kuscheln und gestreichelt werden möchten oder mehr – dafür ist professionelle Sexualbegleitung da. Manche Seniorinnen wollen direkt „zur Sache kommen“, weil die Zeit kostbar ist. Andere genießen zuerst die emotionale Nähe und öffnen sich dann. Alles ist möglich. Ich höre zu, halte die Hand, schaffe einen geschützten Raum.
Sexualbegleitung für Seniorinnen durch spezialisierte Sexarbeitende ist ein Geschenk – an sich selbst und an die eigene Würde. Sie zeigt Ihnen: Du bist noch da. Du darfst Lust empfinden. Du bist begehrenswert. Und die Studien beweisen, dass es sich nicht nur gut anfühlt, sondern richtig gut für Körper und Seele ist.
Vielleicht interessiert Sie ja auch, was meine Kollegin : Nicole zur Sexualassistenz am Lebensende zu sagen hat.
Wenn Sie als Senior:in neugierig sind, als Pflegende oder Angehörige Unterstützung suchen oder einfach nur mehr wissen wollen – lesen Sie auch die anderen Beiträge auf meinem Blog, schreiben Sie mir, oder Sie melden sich über www.sexualbegleitung-nrw.de .
Adressen von Sexualbegleiter:innen und Sexualassistent:innen in Ihrer Nähe finden Sie auf www.sexualassistenz.de
Es ist nie zu spät für ein bisschen mehr Wärme und Freude .
mein Jahresrückblick 2024














